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Pressespiegel 2003/2004

Die Berliner Initiative präsentierte am 30. März 2004 bei einer Pressekonferenz in Berlin die Ergebnisse ihrer Studie zur Einstellungspraxis im deutschen höheren Ministerialdienst. Dazu kommentierten die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Tagesspiegel:

8. April 2004, Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Kein sicherer Weg für den Aufstieg - Auslandsaufenthalte sind im öffentlichen Dienst noch selten“, von Johannes Leithäuser

[...] „Ist der deutsche öffentliche Dienst den internationalen Herausforderungen gewachsen?“ Diese Frage wird seit einigen Jahren immer wieder von der eigens dazu gegründeten „Berliner Initiative“ gestellt, an der auch die Stiftung Wissenschaft und Politik, die Bosch-Stiftung (der Tönissteiner Kreis, d. Verf.) und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik beteiligt sind. [...] Aus den Antworten von nur wenigen Bundesministerien, [...] ergibt sich, dass zwar die einzelnen Ministerien als Dienstherren durchaus qualifizierte, in Studium oder Ausbildung vertiefte und geübte Fremdsprachenkenntnisse zu einem festen Einstellungskriterium machen könnten, dass dieses aber nur in wenigen Fällen geschehen ist [...] (und dass es, d. Verf.) an der gezielten Planung von Entsendungen oder dem Einbau von Auslandsaufenthalten in individuelle Laufbahnen weitgehend fehle.
[...] Die Berliner Initiatoren sehen sich durch diese Ergebnisse in ihrer Forderung bestätigt, in den Einstellungsvoraussetzungen des höheren Beamtendienstes Auslandsqualifikationen zwingend vorzuschreiben. [...]



5. April 2004, Der Tagesspiegel
„Das Ausland interessiert uns nicht - In deutschen Verwaltungen zählen Weltläufigkeit und Fremdsprachenkenntnisse wenig, wie eine Studie zeigt“, von Dorothee Nolte

[...] „Sensationell und bedrückend“ findet Christoph Bertram, Leiter der Stiftung Politik und Wissenschaft (Stiftung Wissenschaft und Politik, d. Verf.) in Berlin, die Ergebnisse einer Studie, die die „Berliner Initiative für mehr Internationalität in Bildung, Ausbildung und Personalpolitik“ in Auftrag gegeben hatte. „Da heißt es überall, Deutschland solle eine größere Rolle in der Welt spielen und dem Sicherheitsrat angehören. Aber in den deutschen Verwaltungen herrscht eine Einstellungspraxis, als ob die Zeit stehen geblieben wäre.“
[...] Das Problem ist übrigens nicht ein Mangel an qualifizierten Bewerbern, [...] sie würden entweder nicht vorrangig eingestellt, [...] oder aber, so Ulrich Bopp vom „Tönissteiner Kreis“ (Tönissteiner Kreis, d. Verf.), sie gingen gleich in internationale Kanzleien, in denen ihre Qualifikationen geschätzt werden. [...]



6. Januar 2004, Der Tagesspiegel
„Die SPD will Elite Unis“, von Hermann Rudolph
Zur Diskussion der Elite-Universitäten schreibt Hermann Rudolph

[...] „Immerhin operierte die SPD damit in Sichtweise der aktuellen deutschen Problemkulisse. Die Hochschulen wissen ja längst, dass sich in der Ausbildung von Leistungsträgern und Spitzenforschern ihre - und unsere - Zukunft entscheidet. Niemand braucht auch den Forschungseinrichtungen zu sagen, dass sie hart am Wind der internationalen Konkurrenz segeln. Eine Berliner Initiative - getragen von der Robert-Bosch-Stiftung, der Gesellschaft für Auswärtige Politik, der Stiftung Wissenschaft und Politik und dem privaten Tönissteiner Kreis (Tönissteiner Kreis, d. Verf.) - arbeitet sich seit 1999 an den Defiziten ab, an denen die Bundesrepublik personell auf der internationalen Ebene leidet.“ [...]



Sind Netzwerke eine Garantie für den beruflichen Erfolg, und wie entscheidend sind sie für Aufstiegschancen? Diese Frage untersucht Claudia Obmann in ihrem Kommentar in Junge Karriere:

1. September 2003, Junge Karriere
„Karriere: Zirkel der Macht“, von Claudia Obmann

[...] "(Es gibt, d. Verf.) drei Netzwerke, deren führende Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Kultur sich explizit der Förderung viel versprechender Nachwuchstalente verschrieben haben: die Atlantik-Brücke, die BMW Stiftung Herbert Quandt und der Tönissteiner Kreis. Alle drei unterstützen handverlesene High Potentials dabei, sich in ihr Beziehungsgeflecht einzufügen [...] Der Tönissteiner Kreis, [...] macht es Aspiranten nicht nur ausgesprochen schwer, aufgenommen zu werden; auch persönliche Beziehungen zu einem Mitglied zählen nicht so viel wie in den anderen VIP-Netzen.
[...] Gesucht sind akademische Asse, die jünger als 35 sind, Englisch und Französisch aus dem Effeff beherrschen und schon mindestens zwei Jahre in unterschiedlichen Sprachräumen gelebt haben. „Für die meisten Interessenten ist die letzte Forderung allerdings das K.-o.-Kriterium“, weiß Felicitas von Peter, Sprecherin des Tönissteiner Kreises. [...] „Geld haben wir kaum, dafür aber gute Leute und gute Ideen. Tönissteiner wollen nicht schick essen und smalltalken, sondern arbeiten“, desillusioniert Felicitas von Peter Partylöwen, die sich bei glamourösen Festen [...] andienen wollen.



3. Juli 2003, Financial Times Deutschland
„Kompetenz statt Klüngel“, von Arne Storn
Die Leistung ist das entscheidende Kriterium für den beruflichen Erfolg, Netzwerke können lediglich auf dem Weg nach oben helfen, so beurteilt es Arne Storm:

[...] „Netzwerke sind wichtiger denn je“, sagt Klaus Stöhlker, deutscher Berater in der Schweiz [...] alte Industrienetze im Ruhrgebiet (sind, d. Verf.) geschwächt.
[...] die Baden-Badener Unternehmergespräche „überschätzt“. Stöhlker setzt auf die USA. [...] Im Networking seien Deutsche den Engländern und Amerikanern unterlegen.
Gleiches bemängeln auch die 600 Mitglieder des 1958 gegründeten Tönissteiner Kreises. Sein Ziel: mehr Deutsche in internationalen Organisationen. Gerd Häusler, Direktor der Finanzmarktabteilung beim IWF, zählt dazu, ein Generaldirektor der EU und zwei einflussreiche Berliner Politikberater: Karl Kaiser, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, und Christoph Bertram, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik.

„Die Mitglieder sind ein ausgewählter Kreis“, gibt Sprecherin Gesa Curtius-Stollenwerk zu. Aber keine geschlossene Gesellschaft: Das 1999 gegründete Studentenforum ist für den Nachwuchs da, und seit wenigen Jahren haben neben den Mitgliedern auch Partner wie die Studienstiftung des deutschen Volkes das Recht, Aufnahmekandidaten vorzuschlagen. „Es soll kein nach innen gerichteter Kreis sein“, sagt Stollenwerk. [...]